Digitale Transformation: Zwischen Aufbruch und Stagnation

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Die Digitalisierung erfordert von Unternehmen und Politik nicht nur das Investieren in moderne Technologien, sie setzt vor allem den Willen voraus, sich Neuem gegenüber zu öffnen und aus den sich bietenden Chancen den besten Nutzen im optimalen Kontext zu erzeugen.

Zwischen Notwendigkeit und Skepsis

Digitalisierung beschäftigt Wirtschaft, Industrie und Politik bereits seit einer gefühlten Ewigkeit und niemand wird müde die Notwendigkeit hinsichtlich der unternehmerischen Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu unterstreichen. Dabei ist hierzulande allein der Begriff ‚Digitalisierung’ an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten. Während in Expertenkreisen eine recht klare Differenzierung zwischen Digitization (Übergang von analog zu digital), Digitalization (Integration digitaler Technologien/Informationen in Alltags-Prozessen) und Digital Transformation (Kundenbezogene Entwicklung neuer Strategien & Geschäftsmodelle) herrscht, wird in Deutschland zumeist jegliche Spezifizierung unter dem Buzzword Digitalisierung verborgen.

Nichtsdestotrotz beteuern Jahr für Jahr Stichproben und Studien, dass knapp drei Viertel der Unternehmen die Bedeutung der digitalen Transformation erkannt haben und als wichtig bzw. sehr wichtig einstufen. Während der lange schlafende Mittelstand sich allmählich gefangen hat und sich nun konsequenter mit dem digitalen Wandel auseinandersetzt, regiert in deutschen Großunternehmen laut einer Umfrage von etventure jedoch weiterhin die Skepsis. Lediglich 42 Prozent der rund 2000 befragten Konzerne fühlen sich gut oder sehr gut auf die Digitalisierung vorbereitet und mehr als die Hälfte geben dem Zustand der hiesigen digitalen Infrastruktur nur befriedigende oder gar schlechte Noten.

Das Verteidigen alteingesessener Strukturen (58%) und die Unerfahrenheit in Sachen nutzerzentriertem Vorgehen (51%) stellen wie in den Vorjahren die größten Hemmnisse für die Unternehmen dar. Zeitmangel, unzureichende Flexibilität und das mühsame Auseinandersetzen mit den Sicherheitsanforderungen sind weitere Punkte, die den Transformationsprozess aufhalten. Dabei sollten die Chancen der Digitalisierung im Jahr 2018 eigentlich bekannt sein und die Umsetzung nicht an lauwarmen Begründungen wie Zeitmangel oder unschlüssigen Entscheidern scheitern.

Optimierung von Arbeits- und Geschäftsprozessen

Dank der effizienteren Gestaltung von internen Arbeitsabläufen können in Zeiten der Digitalisierung enorm die Kosten gesenkt werden. Selbst durch minimale digitale Maßnahmen erzielen laut Digitalisierungsindex gut 35 Prozent der Unternehmen eine Umsatzsteigerung. Dies ist vor allem durch die Verkürzung von Arbeitsprozessen und einer schnellen Datenerfassung möglich.

So erlauben es digitale Arbeitsprozesse den Unternehmen, direkt oder teilautomatisiert auf Kundenanfragen und -aufträge zu reagieren, was mit einer immensen Zeitersparnis einhergeht. Cloud-Anwendungen ermöglichen selbst kleinen Firmen mit geringen finanziellen Mitteln eine flexible IT-Infrastruktur aufzusetzen, die keine Investitionen in teure Hardware verlangt und sich den aktuellen Bedürfnissen anpasst — bezahlt wird nur das, was auch tatsächlich benutzt wird.

Dieses Credo lässt sich auch auf das Vermieten von Maschinen anwenden. Durch das Erfassen der tatsächlichen Nutzungsdaten von z.B. Baumaschinen können selbige effizienter genutzt werden. Die Mietdauer kann stundengenau erfolgen, wodurch die Maschine nicht stillstehen muss und während der nicht genutzten Zeit weitervermietet werden kann.

Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit

Ein digitaler Arbeitsplatz ermöglicht den Mitarbeitern über moderne Kommunikationstechnologien ihr Wissen einzubringen oder Know-How zu generieren. Mobile Devices sorgen dafür, dass Arbeitnehmer selbstständig und flexibel arbeiten können, ohne dabei zeitlich oder räumlich gebunden zu sein. Dadurch werden die Mitarbeiter mit mehr Freiheiten ausgestattet, die zu einer ausgewogeneren Work-Life-Balance führen und sowohl die Zufriedenheit als auch die Produktivität steigern.

Digitale Archivierung und Buchhaltung senken nicht nur die Material- und Lagerraumkosten, sondern erlauben es den Mitarbeitern durch den geringeren Suchaufwand effizienter und schneller zu arbeiten. Dies gilt z.B. auch im handwerklichen Umfeld, wo durch digitale Anwendungen das Auffinden von Werkzeugen vereinfacht wird oder automatisierte Prozesse bei der schnelleren Produktentwicklung und Lösungsfindung helfen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Mitarbeiter von heute und morgen nach situativer Flexibilität und Entscheidungsfreiheiten verlangen. Um ihnen dies zu ermöglichen, sind digitale Prozesse unerlässlich. Ein flexibler Arbeitsplatz bedeutet hierbei jedoch nicht einfach Flächen- und somit Kostenreduzierung, sondern Flächenoptimierung — z.B. durch modulare Raumkonzepte, die je nach Bedarf angepasst werden können.

Die Unternehmen müssen die langfristigen Vorteile der neuen Arbeitswelten herausarbeiten und dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter für die modernen Technologien geschult werden und den Nutzen dahinter verstehen. Schlußendlich geht es darum, Arbeitsabläufe zu verbessern und das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern.

Steigerung der Kundenzufriedenheit

Kundenbedürfnisse haben sich durch die digitale Transformation stark verändert. Immer mehr Menschen kaufen online ein oder informieren sich zunächst im Web über mögliche Neuanschaffungen. Vor allem die jüngeren Generationen suchen in Online-Shops nach Kleidung, Medien oder buchen die nächste Reise. Dabei erwarten sie nicht nur eine funktionale und ansehnliche Homepage, sondern auch eine Fülle an Bequemlichkeiten, wie digitaler Kundenservice, Sendungsverfolgung oder Bezahl-Apps.

Die Digitalisierung hilft dabei, das Verlangen der Kunden nach Transparenz sowie individuellen und flexiblen Lösungen zu stillen. So erlauben es z.B. Konfiguratoren, dass die Kunden ihr Wunschprodukt einfach selbst zusammenzustellen können, ohne das hierfür ein Ansprechpartner von Nöten ist. Im Service können heutzutage bereits KI-Programme eingesetzt werden, die selbstständig Nutzungsprobleme identifizieren und direkt Lösungsmaßnahmen einleiten.

Zudem ermöglicht die Analyse des Kauf- und Nutzungsverhaltens von Kunden Unternehmen das Bereitstellen maßgeschneiderter Services und Produkte. Gut 45 Prozent aller Unternehmen haben so laut Digitalisierungsindex die Kundenzufriedenheit durch die Implementierung digitaler Prozesse merklich steigern können.

Erweiterung der Absatz- und Vertriebskanäle

Digitale Absatzkanäle können den bestehenden Vertrieb erweitern und dadurch neue Kundengruppen erreichen. Vor allem für kleinere Unternehmen ist es jedoch schwierig bei der Vielzahl an vertretenen Großkonzernen im Internet eine gewisse Präsenz aufzubauen, um auch wahrgenommen zu werden.

Trotzdem ist das Internet mit all seinen Werbemöglichkeiten eine nicht zu unterschätzende Anlaufstelle für die Neukundengewinnung und vereinfacht dank der verschiedenen Kommunikationskanäle auch den Kontakt mit der Stammkundschaft. Des Weiteren bieten immer mehr marktplatzähnliche Plattformen die Option an, sein Unternehmen und seine Produkte online vorzustellen, um neue Kundengruppen zu erschließen und die eigene Reichweite zu erhöhen.

Entwicklung neuer Geschäftsmodelle

Das Entwickeln grundlegend neuer Geschäftsmodelle wird durch die Digitalisierung ebenfalls erleichtert. Das Nutzen von Big Data ermöglicht Produkte zu entwickeln und zu vermarkten, die nicht nur aktuellen Trends entsprechen, sondern auch auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind. Die gesammelten Datenströme helfen den Kunden besser zu verstehen und sorgen für ein klareres Bild, wie das Endprodukt auszusehen hat, um erfolgreich am Markt zu bestehen.

Start-ups überraschen immer wieder mit der Einführung neuer smarter Produkte, die das gängige Markttreiben auf den Kopf zu stellen drohen. Der im digitalen Wandel verankerte Drang zu mehr Innovation bietet dabei sowohl Gründern als auch etablierten Unternehmen die Chance, sich neuen Geschäftsmodellen zu nähern und partnerschaftliche Verbindungen einzugehen.

Gemeinsam digital in die Zukunft

Die digitalen Möglichkeiten, welche sich uns in der Neuzeit bieten, scheinen nahezu grenzenlos. Aber der digitale Wandel muss sowohl von Unternehmen, der Politik als auch der Gesellschaft verstanden, angenommen und bewusst eingesetzt werden. So kann es z.B. nicht sein, dass in einem Land wie Deutschland immer noch viele Regionen nahezu abgeschnitten vom Internet sind und es kein einziges hiesiges Unternehmen in die Top 20 des BCG-Innovations-Ranking 2018 geschafft hat.

Im digitalen Wandel geht es natürlich um das Investieren in moderne Technologien, allerdings ist die Vermittlung von Wissen und das Sammeln von neuen Erfahrungen eines der wichtigsten Güter in der modernen Welt. Schließlich gibt es auch hierbei keine Glaskugel, die den einzig richtigen Weg vorgibt. Mögliche Veränderungen müssen klar bewertet sowie strategisch geplant werden, bevor man rein aus dem Bauchgefühl handelt oder zum Schnellschuß ansetzt.

Es muss ein übergreifendes Umdenken stattfinden, welches flexible Lösungsansätze und die vermehrte Beschäftigung mit dem Endkunden in den Vordergrund der angestrebten Transformation stellt. Hierbei bietet die Digitalisierung eine Vielzahl von Möglichkeiten die innerbetriebliche Struktur und die Kommunikation mit den Kunden zu verbessern. Welche dieser Möglichkeiten aber zielführend sind und wahrhaftig Mehrwert bieten, muss immer individuell und unternehmensbezogen erörtert werden.

Als User Experience Experts helfen wir bei forwerts digitale Prozesse und Anwendungen in den richtigen Kontext zu setzen, damit Vor- und Nachteile aufgezeigt werden können und eine strategische Planung möglich ist.

Written by

Innovation Explorer. Design Consultants. User Experience Experts.

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