Design Sprints: In kürzester Zeit zu messbaren Ergebnissen

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Der Faktor Zeit spielt bei der Schaffung neuer Produkte und Produktverbesserungen eine immer wesentlichere Rolle. Dabei ist der Weg von der Problem- über die Entscheidungsfindung bis hin zum Prototypen oftmals ein beschwerlicher, der durch endlose Meetings führt, die immer weitere Stolpersteine zum Vorschein bringen und schließlich in unausgereiften Kompromissen münden.

Deshalb hat sich in den vergangenen Jahren ein effizienter Prozess entwickelt, mit dem man teils monatelange Arbeit auf ein paar wenige Tage komprimieren kann: Der Design Sprint. In diesem Workshop-Verfahren finden sich crossfunktionale Teams zusammen, die sich einer klaren Challenge verschreiben, in der Ideen validiert und Lösungen direkt am Nutzer getestet werden.

“It’s what work should be about — not wasting time in endless meetings, then seeking camaraderie in a team-building event at a bowling alley — but working together to build something that matters to real people. This is the best use of your time. This is a sprint.”

― Jake Knapp

Der Weg zur Startlinie

Doch wie so oft sind wir heute schlauer und der Untergang Encartas wurde sowohl zu einem mahnenden Beispiel als auch zum Startschuss einer neuen Methodik der Produktentwicklung und -verbesserung. Denn Jake Knapp war damals Teil des Encarta-Teams, welches den aufkommenden Konkurrenten schlicht mit einem eigenen Redesign in die Schranken weisen wollte — Sprich: Ohne Alternativen zu testen wurde alles auf eine Lösung gesetzt, deren Umsetzung ein ganzes Jahr dauerte, in dem sich Wikipedia zum Krösus entwickelte.

Jake Knapp wurde klar, dass Lösungen nicht immer so offensichtlich sind, wie man zunächst annimmt, und dass bei der Entscheidungsfindung oft halbgare Kompromisse geschlossen werden, die eher ein ‚sich im Kreis drehen’ begünstigen und Zeit kosten. Also machte er sich gemeinsam mit John Zeratsky auf den Weg einen methodischeren Ansatz zu entwickeln, der auf dem Mindset des Design Thinkings aufbaut und das Beste aus Lean Startup, User Experience Design sowie agilen Methoden vereint — Den ‚Sprint’.

Die Anforderungen eines Sprints

Die auch als ‚Google Sprint’ bekannte Urform des Sprints, die hierdurch entwickelt wurde, setzt sich aus klaren Rahmenbedingungen zusammen, um den Fokus zu wahren:

  • Dauer: Eine Arbeitswoche (Mo-Fr), also 5 Tage in denen von 10 bis 17Uhr nur gesprintet wird.
  • Raum/Material: Ein optimal ausgestatteter Raum mitsamt Materialien für den Prototyp-Bau.
  • Team: Kleine Gruppe aus 5 bis 7 Leuten, die den Product Owner miteinschließt oder zumindest eng miteinbindet.
  • Moderator: Ein sogenannter Sprint Facilitator, der durch den Sprint führt, Entscheidungen einfordert und somit den reibungslosen Ablauf gewährt.
  • Kunden/Anwender: Die nach dem Sprint zu den Ergebnissen interviewt werden und/oder den Prototyp testen.

Neben den Rahmenbedingungen sollte zuvor auch immer erst die Aufgabenstellung klar definiert und verstanden sein. Um einen Sprint also auch mit den maximalen Erfolgsaussichten zu starten, legt man zunächst dar, welche Challenge dem Sprint zugrunde liegt:

  • Was ist das Problem? Wie stellt sich die Ausgangslage dar?
  • Welche Ziele werden mit der Lösung des Problems verfolgt?
  • Wer ist der Kunde bzw. soll Kunde werden?

Der Ablauf im UX-Kontext

Design Sprints sind somit auch immer abhängig vom jeweiligen Projektstatus. Befindet man sich noch in der PoC(Proof of Concept) oder bereits in der MVP(Minimum Viable Product) Phase? Geht es um eine losgelöste und somit kontextfreie Betrachtung oder sind wir bereits einen Schritt weiter und können ein konkretes Problem im Kontext betrachten?

Aber auch wenn das Sprintverfahren sich immer nach der Ausgangslage richtet, so ist der Ablauf eines Design Sprints in unserem UX-Kosmos klar abgesteckt und nutzt neben der Orientierung am Design Thinking Prozess auch Elemente des Customer Journey Mapping:

  • Verstehen: Hier sollte zunächst der Ablauf sowie die Rahmenbedingungen geklärt und ein kontextuelles Verständnis aufgebaut werden. Was ist überhaupt die Challenge? Dabei hilft es oft zunächst die Konkurrenz zu untersuchen und herauszufinden, wie dort mit einem bestimmten Problem umgegangen wird. Des Weiteren –sofern noch nicht im Voraus geschehen- ist es unabdingbar direkt zu evaluieren für WEN man überhaupt entwickelt. Wer sind die Nutzer? Welche Bedürfnisse haben sie? Mit Hilfe von Personas und dem Kreieren eines Key Customers können Antworten auf diese Fragen gefunden werden, bevor es an das Ausformulieren erster Lösungswege und Strategien geht.
  • Lösungsansätze finden: Da das Team nun die Challenge verstanden hat, kann an einer gemeinsamen Vision gearbeitet werden. In dieser Phase geht es um das Entwickeln von Ideen und dies bedeutet: So viele Lösungen zu erarbeiten wie nur irgend möglich. Um hier ein bisschen Abwechslung hereinzubringen, kann man auch den spielerischen Ansatz der ‚Crazy 8’-Methode einsetzen. Dabei versucht jedes Teammitglied in 5 Minuten 8 verschiedene Ideen zu skizzieren. Wenn dann eine Vielzahl von Lösungen auf dem Tisch liegen, kann sich das Team bereits aufmachen auszusieben und den Ideen Prioritäten zuzuweisen.
  • Entscheiden: Hier gilt es zunächst über die besten Ideen abzustimmen bzw. aus allen eingeworfenen Ideen ‚Die Lösung’ herauszufiltern. In dieser Phase sollte genügend Zeit zur Verfügung gestellt werden, um über die vorhandenen Ideen zu reflektieren und Meinungen darüber auszutauschen, welche am Erfolgsversprechendsten ist. Wenn es Ressourcen, Zeitplan und Budget hergeben, können hier aber auch mehrere Kandidaten mit in die nächste Phase genommen werden. Sobald man sich geeinigt hat, wird die beste Idee ausführlich mit einem Storyboard versehen.
  • Prototypen: Nun geht es darum anhand des Storyboards einen oder mehrere Prototypen zu entwickeln, deren Erstellung in der Regel nicht länger als ein Tag dauern sollte. Der Prototyp muss also weder Ansehnlich noch eine genaue Abbildung des schlussendlichen Endprodukts sein. Da er aber von tatsächlichen Benutzern getestet werden soll, muss er so ausgefeilt sein und über eine ausreichende Usability verfügen, damit er auch verwendet werden kann.
  • Überprüfen: Jetzt kommen endlich externe Nutzer ins Spiel, die mit dem/den Prototypen konfrontiert werden. Damit die Probanden auch ehrliche Antworten geben, sollte am Besten einer aus dem Team — mit dem größten Wohlfühl-Faktor — zum Interviewer ernannt werden, der die Tests mit den Nutzern individuell durchführt. Die so in jedem Durchgang ermittelten Ergebnisse geben weitere Aufschlüsse über ‚Das, was funktioniert’ und ‚Das, was (noch) nicht funktioniert’.

Mit jedem Sprint forwerts

Als Unternehmen, das nutzerorientierte Produkte und Anwendungen entwickelt, sind wir bei forwerts stets auf der Suche nach neuen Problemen, die gelöst werden wollen. Design Sprints erlauben uns dabei in kürzester Zeit Prototypen zu entwickeln und Lösungsansätze direkt am Kunden zu testen. Dadurch können unsere Expertenteams schnell messbare Ergebnisse liefern, die uns bei der Erreichung neuer Meilensteine unterstützen.

Written by

Innovation Explorer. Design Consultants. User Experience Experts.

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